STEFAN PETERS
Der Blog

#9 - Im Gespräch mit Eric Hebgen – Faszination Faszien

Diaphragmen und die Zirkulation

Beginnend mit der Vorbereitung zu unserer neuen Ausbildungsreihe Faszien - Fasziale Osteopathie, begeben wir uns in einen Dialog mit Eric Hebgen.

 

Was bedeutet der Begriff "Faszien" für dich?

In meiner Anfangszeit als PT, genauer gesagt im Anerkennungsjahr 1993, hatte ich einen Kollegen der geheimnnisvoll von dem Bindegewebe sprach und was es alles kann. Ich als 9mal-kluger Anfänger-PT habe die Nase darüber gerümpft, zumal ich Bindegewebsmassage in der Ausbildung totlangweilig fand. Heute ist das Bindegwebe oder wie es eben jetzt meist genannt wird die Faszien hochinteressant. Vielleicht auch deshalb, weil es von der Forschung als weißer Fleck auf der anatomischen Landkarte entdeckt wurde und Ergebnisse der Forschung untermauern, was man als Therapeut schon lange wusste, weil man hands-on gearbeitet hat und empirisch Sachen entdeckt hat, die nun bewiesen sind. Kurz gesagt: Faszien umfassen für mich alle Bindegewebe des Körpers auch in Organen und in peripheren Nerven mit einem gemeinsamen Ursprung in der Embryologie und deshalb gilt für die Faszien der rheinische Satz: „Man kennt sich, man hilft sich.“ Die Globalität des Körpers ist meines Erachtens in keinem anderen Gewebe so präsent wie in den Faszien.


Gibt es Schlüsselstellen im Körper, die sehr häufig behandelt werden müssen?

Ja und nein. Es gibt Faszienknotenpunkte, die häufiger behandelt werden müssen als andere Stellen, weil dort die Faszien funktionell auch häufig belastet werden, z.B. die Obere Thoraxapertur oder die Leiste. Dort treffen Faszien und Zirkulation aufeinander und die Faszien stören häufig die Zirkulation. Aber daneben muss man auf die Suche gehen nach den individuellen „Engstellen“ im Faszienkostüm des Patienten.


Macht es aus deiner Sicht Sinn beim faszialen Arbeiten auf die verschiedensten Rezeptoren (Interstitielle Rezeptoren, Pacini, Rufini und Golgi) einzugehen und wenn ja, wie?

Nein, macht es nicht. Keep it simple. Mit wenigen Behandlungsprinzipien lassen sich alle Fasziendysfunktionen beheben und letzten Endes arbeiten wir an der Zirkulation. Ich bin der Meinung, dass wir mit Faszientherapie im Körper eine Signal setzen, etwas an entscheidender Stelle zu verändern, damit die Zirkulation wieder verbessert wird. Das meiste macht der Körper von alleine. Der Therapeut ist nur der Initiator der Veränderung.


Was ist für dich die größte Herausforderung beim therapeutischen Arbeiten?

Nicht in Routine zu verfallen. Jeden Patienten als neuen Fall zu betrachten und nicht als x-te HWS etc. zu betrachten und nach Schema F vorzugehen. Erfahrung ist super, aber verleitet zur Routine und macht träge. Wachsam sein!


Was waren die wichtigsten Erkenntnisse im Umgang mit Patienten?

Patienten wissen meist sehr gut, was sie haben, wo die Ursache liegt. Sie haben es nur verlernt, dies zu verbalisieren. Sie zu ermutigen, auf ihren Körper zu hören, ist Hilfe zur Selbsthilfe.
Jeder trägt sein Päckchen. Egal wie „Schlimm“ es objektiv zu sein scheint. Jeder leidet an seinem eigenen Schicksal und will Ernst genommen werden. Das ist einen Aufgabe als Therapeut.
Jeder Therapeut hat die Patienten, die zu ihm passen. Andere Menschen brauchen andere Therapeuten.
Ich bin nicht allwissend. Ich darf etwas nicht wissen und darf, nein muss das auch zugeben können. So bin ich authentisch.
Ich bin nichts ohne meine Patienten. Ich kann nur etwas, weil meine Patienten mir über Jahre vertraut haben. Ich durfte und darf noch an ihnen lernen.


Welche neuen Fähigkeiten erlangen die Teilnehmer der Reihe "Fasziale Osteopathie“?

Im ersten Teil ist es mir wichtig, einen Befund zu zeigen, wie man die Faszienknotenpunkte, die Engstellen im Faszienkorsett findet. Dort muss behandelt werden, egal wo die Symptome sind. Danach zeige ich Region für Region meine Herangehensweise an Faszienbehandlungen am Bewegungsapparat. Im Kurs über die faszialen Organbehandlungen stelle ich meine Behandlungsmethode der Organe vor. In diesem Kurs werden auch Organarterien behandelt, was eine Weiterentwicklung der palpatorischen Hand mit sich bringt. Die fasziale Behandlung der peripheren Nerven ist palpatorisch eine Herausforderung, schult also die Hand noch einmal ungemein.

 


Zum Kurs Fasziale Osteopathie


 

 

Buchbesprechung Checkliste Viszerale Osteopathie


Die zweite überarbeitete Version der Checkliste Viszerale Osteopathie, geschrieben von Eric Hebgen, 2. Auflage erschienen 2014 im Haug Verlag Stuttgart.


Das Buch beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen von organischen Dysfunktion auf die Zirkulation und damit welche osteopathischen Verknüpfungen sich aus der jeweiligen Topografie herleiten lassen. Häufige Indikationen und Vorschläge zur Therapie. Die Tests und Techniken im Buch werden mit Ausgangsstellung, Vorgehen, Bewertung und Behandlung beschrieben. Viele Illustrationen im Bereich der Anatomie und strukturell-funktioneller Abhängigkeiten runden das Gesamtwerk ab.


„In dieser 2. Auflage habe ich Anregungen der Leserinnen und Leser aufgegriffen, einige Technikergänzungen vorgenommen und den Indikationskatalog erweitert. Des Weiteren werden die Wirkung der Techniken bei den Indikationen sowie die strukturellen und funktionellen Zusammenhänge erläutert.“ (Eric Hebgen, Auszug aus dem Vorwort zur 2. Auflage)
Die Checkliste ist klar geglieder in vier Teile. Teil 1 bilden die anatomischen Grundlagen der Organe, Teil 2 ist in Diagnostik und Therapie aufgeteilt, Teil 3 bietet den Indikationskatalog und in Teil 4 findet der Leser schnell Leitsymptome und Kontraindikationen in der Organübersicht.


Aus dieser Checkliste ist mittlerweile eine ganze Serie geworden. Der schnelle Zugang bietet dem Therapeuten eine gute Übersicht zum Nachschlagen ohne sich ins Detail zu verlieren. Dafür gibt es andere Bücher. Ebenfalls in der Serie zu haben sind folgende Checklisten:


Checkliste Viszerale Osteopathie (Eric Hebgen)


Checkliste Kraniosakrale Osteopathie (Torsten Liem und Tobias K. Dobler)




Checkliste Parietale Osteopathie (Andreas Maasen)




Jetzt zur Kursreihe „Fasziale Osteopathie“
mit Eric Hebgen und Simone Huss
in Leipzig anmelden.

 

 

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